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Asphalt-Queen I

Sie schlug hart auf dem Boden auf. Der Wind frischte auf und der kühle Hauch des Winters nahm den dumpfen Schlag ihres Kopfes auf dem Teer der Straße mit auf seine Reise. Blut lief aus ihrem Mundwinkel, bildete eine kleine Lache auf dem frostkalten Boden. Bewußtlos lag sie dort, die Ärmel des Kapuzenpullis hochgeschoben, alleine in der Nacht.

 

Als Daniel mitten in der Nacht um die Straßenecke bog, den Mantelkragen hochgeschlagen um sich ein wenig der Kälte zu erwehren, hörte er leise Klänge, welche sich ohne Mühe in sein Ohr schlichen. Sich umblickend, um den Ursprung zu finden, querte er die verlassene Hauptstrasse, ging zu seiner Linken in die dunkle Nebenstrasse, horchte nach der Melodie. Sämtliche Laternen waren ausgebrannt oder kaputt geschlagen, die Dunkelheit schloß sich um ihn in einer innigen Umarmung. Leise drangen Worte zu ihm. Er schritt weiter voran in die Finsternis.

 

Die Augen halb geöffnet, rappelte sie sich auf, blieb auf Knien hocken, wischte über ihre blutverkrusteten Lippen und starrte verwirrt in die Nacht. Wo war sie? Wer war sie? Was war geschehen? Dröhnen im Kopf war die Antwort auf ihre Fragen, sie hatte keine Erinnerung. Ihr war kalt. Eine Stimme zwischen den allgegenwärtigen Schmerzen, flüsterte leise und obwohl es ihr unangenehm war ihre eigene Stimme zu hören, sprach sie erst, sang danach die Worte ihres Unterbewußtseins mit. Wieder hatte sie Angst vor sich selbst.

 

Daniel hörte eine gebrochene Stimme, die sanft schluchzend flüsterte:

"Tritt endlich vor mich, einziger Schmerz! 

Wie weit bin ich vor dir schon fort gerannt.

Ich will nicht weiter, kann nicht mehr, 

hab meine Augen mir an dir zu oft verbrannt.

 

Zu oft hab ich mich wegen Dir betrunken, 

zu oft im Tränenmeer versunken, 

stand ich allein am Aschenstrand -

 

Zu oft mit allem nur betäubt, 

die Erinnerung zerstäubt, 

gab jede Sucht mir hilfreich ihre die Hand -

 

Doch sei vorbei nun diese Zeit, 

ist Erlösung denn noch weit?

War immer still und hab im Fall nur kurz geschrieh´n - 

meinen Namen: Asphalt-Queen."

 

Er sah sie zu spät. Ihre Tränen fielen zu Boden, vermischten sich mit dem Schmutz der Nacht. Ihr Blick glitt über ein dunkles Glitzern, das der hinter Wolkenfetzen durchschimmernde Mond ihr schenkte. Als Daniel sie sah, hatte sie bereits die Scherbe der zerbrochenen Flasche in ihrem Handgelenk versenkt...

21.10.10 21:38
 


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